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Hintergrund

Das Nationalparkprojekt "Parc Adula" hat zum Ziel einen Nationalpark um den Piz Adula und die angrenzenden Täler zu errichten. In diesem Park sollte jedoch nicht nur die Natur sondern auch die einzigartige Lebensweise der Menschen geschützt und gefördert sein. Unter dem Label "Parc Adula" wäre eine gemeinsame Entwicklung und Vermarktung der Region und der regionalen Produkte möglich.

Wir wurden beauftragt eine Typologie für zukünftige Besucherzentren - Tore zum Nationalpark - zu finden. Die Besucherzentren sollen die Philosophie des Parks repräsentieren und keine blossen Informationsstände sein, sondern einen Ort der Begegnung für Besucher und Einheimischen. Eine Werkstatt, wo Touristen aus erster Hand lokales Handwerk erfahren können und Künstler einen Arbeitsort in mitten der eindrücklichen Landschaft der Bergtäler finden.

Strickbau - typische Bauweise im Safiental

Strickbau - typische Bauweise im Safiental

Safiental

Das abgelegene Safiental war nie eine dicht besiedelte Landschaft. Viehzucht diente lange als einzige Lebensgrundlage für die Bewohner des bündner Bergtales. Die steile Hänge sind nicht einfach zu bewirten und die Landwirte können nur schwer mit den grösseren Betrieben im Flachland mithalten. Selbst mit dem Tourismus als Nebeneinnahmequelle ist für viele Safier ein Wegzug aus dem Tal die einzige Möglichkeit auf eine Zukunft. Die Einwohnerzahlen sanken in den letzten Jahren stark.

Situationsmodell 1:500

Situationsmodell 1:500

Situation

Das Besucherzentrum liegt in der Mitte des Safientals, in Safien Platz. Ein kleiner Bach und die talwärts führende Strasse begrenzen die Parzelle seitlich. Die Hauptstrasse führt nur wenige Meter oberhalb des Gebäudes vorbei. Unterhalb der Parzelle eröffnet sich eine ungestörte Aussicht ins Tal und auf die Dorfkirche.

Situationsplan mit Grundriss

Situationsplan mit Grundriss

Strukturmodell, 1:50

Strukturmodell, 1:50

Gebäude

Das Gebäude besteht aus zwei Haupträume. Der Grössere, die Werkstatt ist der Ort, an dem die Künstler und Handwerker arbeiten und die Besucher willkommen heissen. Um eine Vielzahl von Arbeiten und Nutzungen Platz zu bieten, ist der Raum möglichst leer gehalten. Im Dachstuhl gelegenen Fenster bieten viel Licht ohne die störende Blendwirkung von direkter Sonneneinstrahlung. Kleinere Fenster auf Augenhöhe dienen als visuelle Verbindung zwischen Innen und Aussen.

Längsschnitt

Längsschnitt

Ein grosser Steinofen dient als Heizung. An den kalten Wintertagen können sich die Besucher um den Ofen versammeln und sich aufwärmen.

Der zweite Raum dient als Pausenraum. Er ist ausgestattet mit einer kleiner Teeküche und einem Badezimmer. Hier können die Handwerker und Besucher sich um einen Tisch versammeln einen Tee trinken während sie die, durch das grosse Fenster gerahmte Aussicht ins Tal geniessen.

Ansicht Süd

Ansicht Süd

Ansicht Nord

Ansicht Nord

Visualisierungen Innenraum

Visualisierungen Innenraum

Konstruktion

Der Strickbau stellt die traditionelle Bauart im Safiental dar. Lokale Bäume können als Baumaterial verwendet werden. Der Strickbau eignet sich jedoch vor allem für Häuser mit vielen kleinen Räum und wenigen Fenstern. Reihen von grossen Fenstern bedürfen normalerweise einen Konstruktionswechsel. Um das ganze Gebäude als Strickbau zu realisieren muss eine Speziallösung her: Die Balken des Dachstuhl werden als Teilwände, welche die Wandfragmente zwischen den Fenstern stabilisieren ausgebildet.

Einsätze von Hartholz zwischen den einzelne Balken der Träger binden diese zu einem statischen Element zusammen und verhindern, dass die Träger sich unter der eigenen Last krümmen.

Die Dachstuhlkonstruktion ist eine Balance zwischen statischen Anforderungen und einem möglichst grossen Offenheitsgrad und Lichteinfall. Sie sucht die Grenzen des Strickbaus und dient als Zurschaustellung der lokalen Handwerkskunst.

Konstruktionsdetail

Konstruktionsdetail